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Weil es Ihr Bad werden soll

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Bäder und Badgeschichten sind so vielfältig und unterschiedlich wie die Menschen selbst. Scrollen Sie durch die nächsten Seiten und erfahren Sie, welche besonderen Bäder sich Schriftsteller, Künstler, Tänzer, Leistungssportler, Bierbrauer oder Zen praktizierende Dozenten wünschen. Lassen Sie sich inspirieren von Bildern und Bädern, die Formen, Farben, Strukturen und mehr auf überraschende Art verbinden.

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Man trifft ihn beim Stöbern in Buch- und Plattenläden, beim Zeitunglesen in Cafés, in Museen und Kirchen: Für Dr. Frank Berzbach lässt sich Arbeit und Freizeit nicht trennen. „Ich lese Zeitungen und Magazine, höre Musik, betrachte Kunst und Menschen nicht nur, weil es mich unterhält, sondern weil es mich bildet“. Kreatives Leben und Arbeiten ist ein zentrales Thema des Autors, der Psychologie und Kulturpädagogik an der ecosign / Akademie für Gestaltung sowie an der Technischen Hochschule Köln unterrichtet. Überforderung und Stress, die heute den Arbeitsalltag vieler geistig und kreativ Schaffender bestimmen, haben nach seiner Überzeugung meist weniger mit der objektiven Menge an Arbeit zu tun – „ich arbeite sehr gerne und freue mich auf jeden Montag“, bemerkt er. Es gehe eher darum, wie man arbeite. „Ich versuche, die heilsamen und die auszehrenden Tätigkeiten zu dosieren, es ist mir weniger wichtig, ob es Arbeit oder freie Zeit ist.“ Schließlich sei der Alltag die Zeit, in der wir unser Leben verbringen, führt er in seinem neuesten Buch „Formbewusstsein“ aus, das sich mit der Bedeutung der kleinen alltäglichen Dinge und Handlungen beschäftigt.

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Mit der viel zitierten Work-Life-Balance kann er nichts anfangen. Sie „suggeriert, dass Arbeit und Leben zwei Waagschalen sind, die ausbalanciert werden müssten“, schreibt er in seinem Buch „Die Kunst, ein kreatives Leben zu führen – Anleitung zur Achtsamkeit“. Denn wer nur in der Freizeit frei ist, der sei in seiner Arbeit ein Gefangener. Eines seiner Lieblingszitate zu dem Thema stammt vom Künstler Joseph Beuys, der „Freiheit statt Freizeit“ forderte.

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Als Zen-Praktizierender ist die tägliche Sitzmeditation, das Zazen, Übung, Herausforderung und Ruhepol zugleich. Ein Mindestmaß an Ruhe und Disziplin ist auch für das Schreiben unerlässlich. „Ich fange morgens damit an, bis mittags sind die Seiten gefüllt. Ich brauche mindestens vier Stunden Ungestörtheit, um sinnvoll an einem Buch zu schreiben“, erklärt er. Schreiben ist nur ein Standbein seines Lebens, das er zwischen Hochschullehre und anderen Tätigkeiten unterbringen muss. Zur Erholung geht er im Wald oder in Parks spazieren, denn „Gehen ist die natürlichste und wohltuendste Tätigkeit, die der menschliche Körper kennt.“ Das Gehen in einem guten Rhythmus hält er für wichtig, denn „zu oft hetzten wir umher oder meinen, gleich Sport treiben zu müssen“. Ruhepol und Rückzugsort ist auch das Bad, das er für einen weit unterschätzten Raum hält.

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„Es ist der einzige Ort, an dem wir die Tür abschließen können und fast immer alleine sind“. Dort verwöhnen wir uns, und auch als Ort für guten Sex hält er das Bad für unterschätzt. „Alle denken ans Schlafzimmer, dabei ist gemeinsam duschen und baden viel aufregender.“ Unter beengten Wohnverhältnissen hat er in den ersten Jahren mit seiner Frau nicht gelitten, unter einem miserablen und engen Bad schon: Das senkt die Lebensqualität, erinnert er sich. Ebenerdige Duschen aus interessanten Materialien, raffinierte Beleuchtungen zum Beispiel, Wasser, das wie Regen auf den Körper herabfällt, große, gut beleuchtete Spiegel und Fußbodenheizung: All das besitzt er nicht, es gehört aber zu den wenigen materiellen Dingen, in die er gern investieren würde. „In Hotels finde ich es aufregend, wie Bäder eingerichtet sind. Ich sehe sofort, ob die Leute sich Gedanken gemacht haben.“

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Von verbissenem Training alleine hält Nils Goerke allerdings nicht viel: „Die Kunst ist es, Sport und Alltag clever miteinander zu kombinieren und ausreichend Ruhe und Regeneration zu bekommen“, erklärt er. „Schon als Profiathlet habe ich einen Tag pro Woche komplett mit dem Training ausgesetzt. Das ist sicher ein Grund, warum ich seit 26 Jahren verletzungsfrei bin“.

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Zum Wechselspiel von Anspannung und Entspannung gehört für Goerke die Dusche. Nach der Spannung des Wettkampfs, der Adrenalinausschüttung beim Zieleinlauf und dem unvermeidlichen Medien-Marathon mit Interviews sowie einem abschließenden ärztlichen Check sei die Dusche nahezu „buddhistisch“, erzählt er. Startnummer und auf die Haut gemalte Sponsorenlogos, Schweiß, Staub und getrocknetes Salz auf der Haut lösen sich unter dem warmen Wasser und machen tiefer Ruhe Platz, in der sich die Müdigkeit endlich Bahn brechen darf.

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Als tägliches Ritual für einen entspannten Start in den Tag gönnt sich der Athlet eine ausführliche Dusche am Morgen, die gerne eine Viertelstunde und länger dauern darf. Natürliche Materialien wie Stein und Holz, eine Fußbodenheizung und natürlich ein großzügiger Duschbereich: So sieht seine Wunschvorstellung für ein Traumbad aus. „Für mich ist das Bad wichtiger als die Küche“, ergänzt er. Die Wirklichkeit in den Sportstätten, die er im Laufe seiner Wettbewerbe und Auslandsaufenthalte kennengelernt hat, entspricht diesem Idealbild leider nur selten. Wenn ein Fitnesscenter mit modernsten Schwimmbecken glänzt, aber nur spartanisch ausgestattete Duschen bereitstellt, dann findet er das schon ärgerlich. Besonders spartanisch geht es beim Hawaii-Ironman zu: Nach der Schwimmetappe müssen sich die Wettkämpfer mit einer einzigen Zweierdusche auf einem Parkplatz bescheiden, um Energie für die nächsten Etappen zu tanken. Umso mehr freut er sich auf das Bad-Ritual zu Hause. Das richtige Maß als Schlüssel zum Erfolg Aus dem aktiven Leistungssport hat sich Nils Goerke zurückgezogen, dem Triathlon bleibt er aber weiterhin verbunden.

Heute hilft er als Coach und Trainer Profi- und Freizeit-Triathleten, das richtige Maß für ihr Training zu finden. „Es gibt Athleten, die eher gebremst werden müssen, und solche, die öfter mal eine Motivation brauchen“, hat er beobachtet. Über einen langen Zeitraum viel trainieren, gesund und frisch bleiben, die Motivation aufrecht erhalten – und das richtige Maß an Erholung einbauen: das ist für Nils Goerke der Schlüssel zum Erfolg.

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Ein kleines Zimmer in Teheran mit einem Perserteppich. Ein kleines Mädchen darin, das versunken die Muster des Teppichs nachtanzt, um einer Welt draußen zu entfliehen, die es nicht versteht: Den Demonstrationen der islamischen Revolution und dem Hijab, das es auf einmal in der Schule tragen muss, zum Beispiel. So beschreibt die Choreografin und Tänzerin Modjgan Hashemian ihre erste Begegnung mit dem Tanz zu einer Zeit, als sie mit der Familie zwischen ihrem Geburtsort Berlin und dem Iran als Herkunftsland ihrer Eltern hin und her pendelte. „Durch die häufigen Wechsel verstand ich oft die Sprache des jeweils anderen Landes nicht“, erzählt Hashemian. „Dafür lernte ich früh, sehr viel aus der Bewegung der Menschen abzulesen, die so eine wichtige Bedeutungsebene für mich bekam.“ Die Bewegung zwischen Welten und Grenzüberschreitungen bestimmen bis heute ihr künstlerisches Schaffen. „Freimachen von Urteilen über gut oder schlecht, schwarz oder weiß, Perspektiven eröffnen, Grenzen aufheben, neue Wege erforschen“, das möchte sie mit ihrer Arbeit erreichen, und das wünscht sie sich auch gesellschaftlich.

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Der Weg zum Tanz als Beruf führte über eine klassische Ballettausbildung. Doch schon bald begann ihre rebellische Ader sich durchzusetzen: „Ich wollte nicht immer das Schneewittchen mit dem Haar wie Ebenholz, sondern auch mal die Schneeflocke sein“. Der Umweg über ein quälendes, den Eltern zuliebe begonnenes Jurastudium ging nach kürzerer Zeit zu Ende, als verlorene Zeit sieht sie ihn nicht. „Ich stelle eigentlich immer Verbindungen zwischen verschiedenen Welten her – dem Tanz, anderen Künsten, der Politik, der Gesellschaft“, der Ausflug in die Juristerei sei da durchaus eine Erfahrung, von der sie bis heute profitiert.

Immer nehmen ihre Stücke Bezug auf reale Geschichten, etliche ihrer Produktionen thematisieren mehr oder weniger unmittelbar Entwicklungen im Iran. Ihre Themen findet sie aber nicht nur dort. „In meinen Choreografien setze ich um, was mich bewegt und was sich über den Körper und seine Bewegungen besser ausdrücken lässt als mit Worten“.

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Viele ihrer Ideen hat Hashemian in der Badewanne gefunden, neben der deshalb immer ein Notizblock in Griffweite liegt. „Niemals würde ich in eine Wohnung ohne Badewanne ziehen“, bekräftigt sie. Ein Vollbad wäscht die Müdigkeit nach langen Proben weg, es schenkt den angespannten Muskeln und Gelenken Entspannung in der Schwerelosigkeit des Wassers. Schlicht, klar und hell eingerichtet, mit Hart-Weich-Kontrasten und dezenten orientalischen Elementen wünscht sie sich ihr Bad. Auf jeden Fall dazu gehören von Hand gehäkelte Waschlappen, die sie bei jedem Teheran-Besuch von einer lieben Tante in großer Menge geschenkt bekommt. Echter Luxus wäre eine Fußbodenheizung. Hausverbot haben dagegen elektronische Gadgets wie Handys, Tablets, Radio und Fernseher, die sie als Ruhestörung und Fremdkörper im Rückzugsort Bad empfindet.

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Die Arbeit mit Holz ist handwerklich herausfordernd und schweißtreibend. Dass sein Atelier ein kleines Bad mit Dusche besitzt, empfindet Heikhaus daher als echten Luxus. Wenn sich Holzstaub und Farben unter dem warmen Strahl der Dusche lösen und im Abfluss verschwinden, geht die Konzentration in ein Gefühl der Entspannung über. Der Tag des Frühaufstehers beginnt zwischen halb fünf und sechs Uhr morgens – immer mit einer Dusche. Er schätzt die fünf Minuten im Bad unter dem warmen Wasserstrahl, ganz für sich alleine, noch bevor der Trubel des Alltags beginnt. Von seinem Traumbad hat Heikhaus eine klare Vorstellung: Großzügig, hell, mit bodentiefen Fenstern – und Blick aufs offene Meer irgendwo an der Küste des Nordpazifik in den USA, seinem Sehnsuchtsort für ein eigenes Haus. Auf seinen Reisen hat er sie kennengelernt. Neben weltweiten Exkursionen in Sachen Kunst war er ein Jahr lang rund um den Globus unterwegs, bevor er eine Familie gründete. Die Familie steht heute im Mittelpunkt, wenn die Arbeit ruht. „Für meinen Jüngsten bin ich einfach der Papa, der Bilder aus Holz macht“ sagt Heikhaus, „der Älteste, er macht bereits selbst Kunst, ist mein wichtigster Kritiker“.

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Die Liebe zur Kunst entdeckte Heikhaus bereits am Ende seiner Schulzeit. Zu seinem Beruf wurde sie aber erst nach spannenden Umwegen. „Ich habe relativ schnell richtig gute Jobs bekommen, die mich von der puren Künstlerkarriere abgehalten haben“, berichtet er. Grafiker, Fotograf, Autor und Bandmanager in der Kölner Musikszene. Ein fester Redakteursposten bei einer großen Tageszeitung in Ostdeutschland während der extrem spannenden Wendezeit. Nach der Weltreise zurück in seiner Heimatstadt Köln, erst mal wieder Kunst. Und dann doch noch ein weiterer spannender Umweg: Gemeinsam mit dem australischen Bildhauer John Peplow die Gründung der Agentur „killakanu“, einem Unternehmen für „Neue Medien“, das 1998 mit Unterstützung schwedischer Internet-Entrepreneure als große, börsennotierte Internetberatung nach Hamburg umzog. „Ich glaube, dass fast jeder Job, den ich gemacht habe, extrem wertvoll war für meine Entwicklung“, so sein Resümee.

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Eigentlich genug Professionen für mehrere Leben – ein paar Jahre später hat er dann aber endgültig zu seiner ersten und größten Liebe, der Kunst, zurückgefunden. „Es wurde einfach Zeit“, sagt er. 2001 fand die erste Ausstellung im legendären Art Store St. Pauli statt, die den wunderschönen Titel „All my friends for sale“ trug. Mittlerweile legendär ist die Galerie heliumcowboy artspace, deren Gründung 2002 Heikhaus „als konsequente Konsolidierung meiner gesammelten beruflichen Erfahrungen und meiner Leidenschaft“ beschreibt. Nach erfolgreichen Jahren mit einer der ersten Galerien Europas, die abseits vom traditionellen Elitedenken des Kunstmarkts eine neue Generation urban geprägter Künstler etablierten, hält Heikhaus das klassische Galeriemodell aber nicht mehr unbedingt für zeitgemäß. „Die Rollen verändern sich, allein schon dadurch, dass Künstler immer besser in der Selbstvermarktung werden“, beobachtet er. Besonders schätzt Heikhaus heute die „Lagerfeuer-Momente“ in der Kunst, die er so beschreibt: Wenn du mit Gitarre und Freunden an einem prasselnden Lagerfeuer sitzt und singst, dann bekommt das Lied eine andere Bedeutung, als wenn es im Radio läuft. „Zu einem besonders gelungenen Bild, das bereits verkauft war, habe ich Freunde und facebook-Follower spontan zu einer Ein-Bild-Ausstellung ins Atelier eingeladen“, erklärt er. Und genau diese intensiven Lagerfeuer-Momente haben sich eingestellt. Die Gäste haben sich Zeit genommen und sie haben sich auf dieses eine Bild eingelassen, ohne Hektik, ohne Verkaufsabsichten, ohne Schere im Kopf.

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Heute steht die eigene Kunst im Zentrum, die er seit 2004 unter dem Namen Alex Diamond macht. Die Persona Alex Diamond markiert einen wichtigen Punkt in der künstlerischen Entwicklung von Jörg Heikhaus. Denn lange Zeit blieb es ein Geheimnis, wer eigentlich der Künstler oder die Künstlerin hinter diesem Namen ist. Alex Diamond trat mit einer Tentakel-Maske auf, hinter der sich immer wieder andere Personen – Freunde oder andere Künstler – verbargen. „Diese Rollenwechsel haben mir neue Sichtweisen geschenkt, denn so konnte ich zum Beispiel in der reinen Besucherrolle Gast meiner eigenen Ausstellung sein“.

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Die Reeperbahn sehen und vor allem deutsches Bier trinken: Das stand ganz oben auf der To-Do-Liste kanadischer Austauschschüler, die Oliver Wesseloh vor vielen Jahren in Hamburg begrüßt hat. Beim Gegenbesuch in Kanada verstand er auch, warum. Wässrig war das in großen Pitchern servierte Bier, es hatte kaum Kohlensäure und ebenso wenig Geschmack – Wesseloh war begeistert vom Land, aber nicht vom Bier. Und beschloss, selbst Brauer in Kanada zu werden. Nach seinem Studium zum Diplom-Ingenieur für Brauwesen in Berlin ist er dann doch nicht im hohen Norden gelandet, dafür in der Karibik und Südamerika, bevor er in den USA vor Anker ging. „Dort habe ich das Licht gesehen“, schwärmt er. Was die amerikanischen „Craft Brewer“ aus klassischen europäischen Bierstilen zauberten, beeindruckte ihn nachhaltig. Warum sollte man damit nicht auch in dem Land erfolgreich sein, das sich selbst als die Wiege der Bierkultur betrachtet?

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Wie sich das für einen echten Kreativbrauer gehört, kam die Ausstattung nicht von der Stange. Das Sudhaus plante und konzipierte der Dipl.Ing. für Brauwesen selbst – sie besteht zu einem guten Teil aus Milchtanks, die günstig zu haben waren und sich bestens zum Brauen eigneten. „Mit fünf Hektolitern hat die Anlage keine sehr große Kapazität“, erklärt Wesseloh, „dafür gibt sie uns große Flexibilität“. So könne man auch mal Ausgefallenes ausprobieren, ohne große Risiken einzugehen. Parallel ist Oliver aber auch noch in den Brauereien von Freunden zu Gange. Er braut entweder mit ihnen zusammen einen Gemeinschaftssud oder nutzt die größeren Anlagen zum Brauen seiner drei Standardbiere „Prototyp“, „SHIPA“ und „überNormalNull“. Am eigenen Standort gesund wachsen könne man ja immer noch.

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Und die Nachfrage ist längst so groß, dass manchmal zu wenig Zeit für die Familie bleibt. Aber immerhin, „meine Frau ist mit an Bord, und mein Geschäft ist ja auch meine Passion.“ Die seltenen freien Momente genießt er mit Frau und zwei Töchtern beim ganz normalen Familienleben – bei einem ausgedehnten Frühstück, mit Schwimmen, am Elbstrand, auf dem Fahrrad oder beim Wandern. Als Wohltat empfindet er es, nach einem 12-Stunden-Tag in der Badewanne zu entspannen. Am liebsten natürlich mit Frau Julia in einer Wanne mit Platz für zwei und mit einem fruchtig-frischen „über NormalNull IPA alkoholfrei“ aus ihrer Kehrwieder Kreativbrauerei in der Hand. Fantastisch wäre es, wenn man dabei auch noch eine tolle Aussicht genießen könnte, entweder auf seine geliebte Elbe, oder wenigstens durch ein Dachfenster direkt in den Sternenhimmel. Zwei Waschbecken sind Pflicht im Familienbad, eine Fußbodenheizung wäre die Kür.

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Außerdem, berichtet er, könnte er stundenlang mit Freunden am Tisch sitzen, verschiedene Biere teilen, über Stile, Zutaten und Aromen philosophieren. Diese Leidenschaft für neue Geschmackserlebnisse war es, die ihn zu einer Ausbildung als „Bier-Sommelier“ trieb. Und wie wird man darin zum Weltmeister?„Ich bin ein Bierfreak“, resümiert Wesseloh, „und hatte das große Glück, dass ich eine unglaubliche Vielfalt von Bieren weltweit probieren konnte. Damit habe ich mich quasi schon jahrelang auf die Weltmeisterschaft vorbereitet, ohne es zu wissen.“

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Beim Autofahren, beim Ausräumen der Geschirrspülmaschine, beim Joggen oder am Schreibtisch entwickelt sie Ideen für ihre Bücher: So gut wie überall beschäftigt sich die Schriftstellerin Dagmar Leupold mit den Themen ihrer Werke, in denen es darum geht, wie sich soziale, politische und kulturelle Lebensumstände auf die Menschen auswirken. Mit dem Schreiben hat sie bereits in der Grundschule begonnen und ihre Familie zu Weihnachten mit selbst verfassten Geschichten und Gedichten beschenkt. „Ob aus Sparsamkeit oder aus der Überzeugung, etwas Hinterlassungsfähiges zu schaffen“ – da ist sie sich nicht mehr so sicher.

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Etliche Jahre, 17 Werke und mehrere literarische Auszeichnungen später stellt sich die Frage nach der Dauerhaftigkeit ihres Werkes nicht mehr. Der Umgang mit Sprache, die Reflexion über ihre Gestaltung machen ihre Arbeiten aus. Als Leiterin des „Studio Literatur und Theater“ an der Universität Tübingen kümmert sie sich um die Nachwuchsförderung und gibt ihre Erfahrungen weiter. Sie betont, dass mit der ersten Veröffentlichung der Weg in eine erfolgreiche Autorenlaufbahn noch längst nicht gesichert sei und rät jungen Schriftstellern, zweigleisig zu fahren und sich ein weiteres Standbein aufzubauen. „Mit zunehmendem Alter beschäftigt mich die Gleichzeitigkeit einer sehr widersprüchlichen Zeitwahrnehmung, von Kontinuität und Diskontinuität“, berichtet Leupold. Auf der einen Seite ist sie noch immer die gleiche wie mit 17, auf der anderen Seite ganz anders. Die „Selbstverständlichkeit der Zukunft“, wie sie jüngere Menschen empfinden, macht der Gewissheit Platz, dass Entwicklungen und Veränderungen in jedem Lebensalter möglich sind. „Man muss ins Gelingen verliebt sein“, dieses Zitat des Philosophen Ernst Bloch hat sie zu ihrem Lebensmotto gemacht.

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Und wie entstehen ihre Werke – von Inspiration geleitet oder mit diszipliniertem Stundenplan? „Gottlob schließen sich Inspiration und Disziplin nicht aus!“ sagt Leupold. Mit drei Kindern und einer vollen Stelle an der Uni Tübingen steht sie für die Arbeit an einem Buch um fünf Uhr morgens auf, mit einer Tasse Kaffee und Musik, meist aus dem 18. Jahrhundert, die sie das gesamte Schreibprojekt über begleitet. Die folgenden zwei Stunden am Schreibtisch erlebt sie als geschenkte 25. und 26. Stunde – noch nicht vom Alltag in Beschlag genommen. Und unter der Dusche fällt oft der Groschen, wenn der Gedankenfluss einmal stoppt: „Das Wort, das mir nicht einfiel, der Titel, der noch fehlt.“

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